Immer mehr Landwirte wollen Felder für Photovoltaik nutzen

Die Nachfrage für den Bau von Solaranlagen in Brandenburg steigt rasant. Mittlerweile haben die Investoren aber nicht wie üblich ungenutzte Brachflächen im Blick, sondern inzwischen auch fruchtbare Äcker. Das stößt auf Kritik. Von Ricardo Wittig





Auf einem Acker im Uckermärkischen Wichmannsdorf sollen in Zukunft keine Nahrungsmittel mehr produziert werden. Zu gering seien die Erträge, sagt Dietrich Twietmeyer. Er plant jetzt ein riesiges Solarprojekt. Der Landwirt und Unternehmer aus Frankfurt am Main will mit seinem Hof im Boitzenburger Land mehr verdienen.

"Wir haben mittlerweile Trockenperioden von teilweise vier bis fünf Wochen, weil wir keinen Regen bekommen und das zeigt sich deutlich in den Erträgen", sagt Twietmeyer. Diese Verluste möchte der Unternehmer mit Erträgen aus der Solarenergie ausgleichen. Dafür plant er auf 286 Hektar seines Ackerlandes Photovoltaik-Anlagen.


Schaden für die Region?

Das sorgt für Ärger. Unter anderem, weil die Anträge für Solaranlagen auf Ackerflächen immer mehr zunehmen: Allein beim Uckermärkischen Landratsamt gibt es aktuell Anfragen für mehr als 2.000 Hektar.

Die lokalen Grünen-Politikerinnen Birgit Bader und Maria Stumpf haben das Projekt bis jetzt nur auf Plänen gesehen und sich vor Kurzem erst einmal ein eigenes Bild der Bebauungsfläche gemacht. Bader, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, sagte dem rbb: "Ich befürchte, dass hier natürlich in erster Linie die landwirtschaftlichen Produktionsflächen aus der Bewirtschaftung genommen werden und wir die in Zukunft brauchen. Außerdem könnte der Tourismus dadurch Schaden nehmen und das Landschaftsbild massiv beeinträchtigt werden."


In ganz Brandenburg gibt nach Angaben des Landeswirtschaftsministeriums bereits mehr als 28.000 Solar-Standorte [www.mwae.brandenburg.de]. Oft wurden dafür Brachen oder ehemalige Militärflächen bebaut. Eine der großen Anlagen steht im Templiner Ortsteil Groß Dölln. Hier wird Strom für 36.000 Haushalte produziert. Bisher wurde der erzeugte Solarstrom staatlich gefördert.




Als Augenwischerei bezeichnen das die Grünen-Politikerinnen Bader und Stumpf. Sie befürchten einen Wildwuchs von Solaranlagen auf Ackerböden, solange die Planungshoheit bei den Gemeinden und Kommunen liegt. Maria Stumpf fordert deshalb, für die Aufstellung von Solarparks eine landesweite Abstimmung zu machen - ähnlich wie bei den Windparks durch die Regionale Planungsgemeinschaft.


Die Solaranlagen von Dietrich Twietmeyer stecken noch mitten im Bauplanungsverfahren. Die Diskussion darüber, wohin die Anlagen in Zukunft gebaut werden können, ist aber längst entbrannt.


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